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Fantas mit Digidesign Venue am FOH-Platz

07.01.08

Für den herausragend guten Live-Sound der Fantastischen Vier sorgt seit vielen Jahren Klaus Scharff

Die Fantastischen Vier gehören seit mehr als 15 Jahren zur ersten Garde der deutschsprachigen Popmusik, was die Ende 2007 absolvierte „Fornika für alle“-Tournee wieder einmal eindrucksvoll belegte: Gut frequentierte Hallen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, begeisterte Fans und ein vielstimmiges Medienecho – die „Fantas“ sind unzweifelhaft ein Phänomen, mit dessen kontinuierlichem Erfolg wohl niemand ernsthaft gerechnet hätte, als sich das Rap-Quartett 1992 mit der Top-Ten-Single „Die da“ erstmals in den Gehörgängen einer breiten Fangemeinde einnistete.

Für den herausragend guten Live-Sound der Fantastischen Vier sorgt seit vielen Jahren Klaus Scharff, der die erfolgreiche „Fornika“-Hallentournee mit einem VENUE Live Sound Environment bestritt. Der Einsatz von VENUE am FOH-Platz dürfte für Scharff ein konsequenter Schritt sein, denn bei Live-Shows von Joy Denalane oder auch bei der Aufbereitung des Sendetons für DSDS wurde der Toningenieur in der Vergangenheit bereits regelmäßig mit einem Pro Tools-System gesichtet, das ihm als virtuelles Effektrack diente - eine im Vergleich zu einem 19“-Schrank mit analogen Gerätschaften sehr flexible Lösung, die gerade im Live-Einsatz nur wenig Platz beansprucht und bezüglich des Klangs auf ganzer Linie überzeugt.

Klaus, wie lange bist du schon für die Fantas tätig?
Klaus Scharff: Im Live-Bereich seit 1994; ich kenne die Fantas aber deutlich länger: Als sie das erste Mal zu mir ins Studio kamen, absolvierten sie gerade ihren Zivildienst. 1989 haben sie bei mir ein Demo aufgenommen, mit dem sie einen EMI-Verlagsvertrag erhalten haben. Die ersten vier Platten wurden komplett bei mir im Studio gemacht; irgendwann hatte Andy dann ein eigenes Studio und hat sich in seine eigene Richtung entwickelt …

Man darf also von einem gewachsenen Vertrauensverhältnis sprechen?
Scharff: Es ist ganz klar ein Verhältnis, das viel Vertrauen beinhaltet - sonst würde ich heute nicht hier sitzen …(lacht)

Du kennst die Fantas ja aus dem Studio und hast auch am aktuellen „Fornika“-Album mitgewirkt. Beeinflusst dich dieser Umstand bei den Live-Shows?
Scharff: Ich versuche, die spezielle Atmosphäre eines Songs live umzusetzen - da mir allerdings mit einer großen PA ein anderes Medium zur Verfügung steht, ergeben sich automatisch andere Prioritäten. Es existieren durchaus Arrangements, die im Rahmen einer Studioproduktion funktionieren, bei denen man live aber beispielsweise die Lagen anders sortieren sollte. Ein klassisches Beispiel: Auf dem Album spielt der Gitarrist bei einem Song eine bestimmte Linie; live stellt sich dann heraus, dass plötzlich die Stimmen weg sind, wenn er genau diese Line spielt - natürlich sind die Stimmen nicht wirklich weg, aber ich müsste sie deutlich lauter machen, was für den Gesamtklang ungünstig wäre. Wenn der Gitarrist stattdessen seine Linie eine Oktave höher spielt, funktioniert plötzlich wieder alles...

Kannst du dich als Mischer derart detailliert in den künstlerischen Prozess einbringen?
Scharff: Ja! Es gibt nach dem Auftritt immer eine Manöverkritik, und wir nehmen jede Show auf DVD auf: Am FOH-Platz steht eine kleine Kamera, die meinen Sound mit aufzeichnet - die Jungs bekommen jeden Abend einen Mitschnitt, über den dann diskutiert wird. Ich finde es sehr wichtig, dass man als Engineer live wie auch im Studio den musikalischen Prozess begleitet.

In der Vergangenheit habe ich in anderen Zusammenhängen mehrfach gesehen, dass du Pro Tools als Effektrack an der FOH-Konsole verwendet hast. VENUE dürfte dir daher als Konzept vermutlich entgegenkommen?
Scharff: VENUE ist für mich einfach der Schritt in die richtige Richtung! Es gibt keinen anderen Hersteller, der von seiner Produktpolitik her derart stringent agiert. Das Pult ist einfach zu bedienen, und die Oberfläche der D-Show ist sehr plakativ gestaltet - ergonomisch gesehen ist D-Show als Live-Konsole besser als jedes Wettbewerberpult, weil die wirklich wichtigen Parameter sofort greifbar sind; bei manchen Konkurrenzkonzepten kann man bei der Bedienung ja geradezu wahnsinnig werden! Ich finde auch, dass die Pegelstruktur in VENUE gut gelöst ist: Wenn man sich nicht dafür interessiert, muss man sich keine weiteren Gedanken darum machen und kann direkt loslegen. Auch das Metering überzeugt; bei Digitalpulten ist es ja oft so, dass man nicht wirklich sieht, was gerade passiert - auch die Tatsache, dass es verschiedene Layer gibt, macht die Arbeit mit digitalen Konsolen nicht unbedingt einfacher. Der VENUE-Ansatz mit der externen Screen gefällt mir: Man muss sich nicht mit einem viel zu kleinen Display herumschlagen, und auf sonnigen Festivals ist ein fest eingebauter Bildschirm bekanntlich nicht immer vorteilhaft.

Nutzt du die Option des virtuellen Soundchecks?
Scharff: Ob der virtuelle Soundcheck sinnvoll ist, hängt sicher davon ab, mit welcher Band man unterwegs ist: Wenn die Musiker jeden Tag etwas anderes spielen, ist der virtuelle Soundcheck relativ sinnlos und gäbe nur eine trügerische Sicherheit! Bei den Fantas kann man dieses Feature aber durchaus nutzen; Sinn macht es besonders, wenn man relativ ähnliche Venues hat und schnell sein möchte. Der wesentliche Aspekt dieses Features ist für mich aber, dass ich intensiv an der Automation arbeiten kann, ohne die Band bemühen zu müssen – ich kann mich in Ruhe hinsetzen und an meinem Sound schrauben. Trotzdem wird man fast immer einen Soundcheck ansetzen, weil sich die Musiker vor einem Konzert auf der Bühne hören möchten - das ist psychologisch einfach wichtig!

Wie setzt du die Automation ein?
Scharff: Ich habe pro Song eine Szene. Zum Live-Setup gehört bei den Fantas neben der eigentlichen Band auch diverses Klangmaterial, das auf acht Kanälen aus einem Sampler kommt; insgesamt habe ich bei der Show rund 50 Signale am Pult aufliegen. Die Samples fallen in jedem Song sehr unterschiedlich aus, und ich muss am EQ sowie mit den Dynamics kräftig eingreifen - Speichermöglichkeiten sind da einfach sehr praktisch! Gut ist, dass jeder Kanal am Pult über einen eigenen „Safe“-Button verfügt, so dass man ihn schnell aus der Automation herausnehmen kann, wenn es erforderlich ist - es gibt bekanntlich Gitarristen, die jeden Tag einen komplett anderen Sound haben...(lacht)

Nicht wenige Leute verbinden HipHop mit analoger Audiotechnik; immer wieder hört man, dass nur Analoggeräte den richtigen „Druck“ und den gewünschten „Schmutz“ erzeugen.
Scharff: Das Ausgangsmaterial für HipHop kann ja durchaus „dirty“ sein, nicht aber die Bearbeitung - das muss man grundsätzlich unterscheiden! Gerade wenn man verzerren möchte oder einen kaputten Sound anstrebt, gibt es mittlerweile viel mehr Möglichkeiten auf der digitalen Ebene als mit analogen Geräten.

Gibt es Plug-ins für VENUE, die dir besonders gut gefallen?
Scharff: Ich schätze die Produkte von Jim Massey aus Kalifornien, der seine TDM-Plug-ins für weniger als 90 Dollar anbietet. Der Massey L2007-Limiter kostet beispielsweise 89 Dollar und klingt toll. Live setze ich u. a. das Bandsättigungs-Plug-in von Massey für Gitarre und Bass ein; gerade die Gitarre wirkt dadurch schön sahnig und bleibt trotzdem präsent. Für die Stimmen verwende ich Multibandkompressoren von McDSP, die ich in Vocal-Subgruppen einschleife - ich benötige bei deutscher Sprechgesangsmusik einfach Kompressoren, die schnell sind, und die McDSP-Plugs sind die schnellsten! Die Multibandkompression des MC2000 sorgt in der Gruppe dafür, dass der Pegel der Stimmen lediglich moderat zunimmt, wenn alle Rapper gleichzeitig aktiv werden.

Setzt du überhaupt noch externe Effekte ein?
Scharff: Ich habe im Rack ein altes Korg-Delay als „Schmier-Echo“ – bei der Art von Musik will niemand alles ganz sauber haben, und auch Hall wird vorrangig als Effekt und nicht als natürlich klingende Nachbildung realer Räumlichkeiten verstanden. Auf der Tour nutze ich als Hall-Plug-ins ReVibe sowie Reverb One. Der Reverb One ist zwar schon ein bisschen älter, aber ich mag ihn, weil er eben wie ein Effekt klingt. Als externe 19“-Geräte habe ich darüber hinaus noch analoge Kompressoren von Aphex für die einzelnen Stimmen im Einsatz, und bei den Drums arbeite ich mit BSS DPR402-Prozessoren, die als Besonderheit mit Phasenauslöschungen arbeiten und keinen VCA im Signalweg haben – der VCA sitzt hier nur im Steuerkreis und beeinflusst somit das Audiosignal nicht. Bis jetzt habe ich noch nichts gefunden, was den Sound dieser Geräte auf digitaler Ebene ersetzen könnte.

Ist der DJ mit seinen Turntables eigentlich klanglich eine besondere Herausforderung?
Scharff: Für die Scratches muss ich einen Dreiband-Kompressor einsetzen, weil ich das sonst nicht balanciert bekomme: Bei schnellen Scratches sind brutal viele Höhen im Sound, und wenn es dann langsamer wird, wummert es heftig im Bass - so etwas bekommt man mit einem statischen EQ einfach nicht weg!

Mehr Infos:
www.digidesign.com
www.megaaudio.de

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